Die Familie Kattenbeck in Norddeutschland

 

Die ersten bisher bekannten Erwähnungen des Namens Kattenbecke stammt aus dem Jahre 1534. Eine entnommen einem Viehschatzregister des Jahres 1534, am Dienstag nach Petri, dort ist Kattenbeck mit einem Viehbestand von drei Pferden, zwei Rindern und drei Ferkeln aufgeführt.

Ouelle: Staatsarchiv Münster.

Die andere Erwähnung stammt aus der Hofordnung des Münsterschen Königs Johanns von Leyden von 1534. Hier wird Johann Katterbecke unter der Nummer 134 als Gastmeister aufgeführt.

Ouelle: Westfälische Zeitschrift - Geschichte und Alterskunde-, Band 16. Seite 362.

 

Die Familie lebte seinerzeit im Kirchspiel von Emsdetten, Bauerschaft Westum. Seit wann die Familie Kattenbeck in Westum lebt, läßt sich nicht feststellen. In einer im Jahre 1498 durchgeführten Willkommschatzung (Steuererhebung), das auch das älteste überlieferte Verzeichnis der Bevölkerung von Emsdetten ist, ist der Name Kattenbeck nicht aufgeführt. In dieser Aufstellung sind alle Kommunikanten, das sind alle über zwölf Jahre alten Personen mit Ausnahmen der "kenntlich Armen", registriert.

Dass Kattenbeck hier nicht genannt wird muss aber nicht unbedingt heißen, dass es den Kattenbecks Kotten noch nicht gegeben hat. Kattenbecke wird mal als Brincksitzer und dann wieder Kötter bezeichnet.

 

Über die Familie Kattenbeck in Emsdetten kann also erst ab 1534 berichtet werden.

 

Als gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Zahl der landsuchenden Bauernsöhne größer wurde, siedelten sich diese am Rande der Mark oder auch Brink an und wurden so zu Brinksitzern oder auch mal Brinkliggern genannt. Die nachgeborenen Söhne der Erbhöfe siedelten sich auf dem Land des Stammes an und nannten sich Erbkötter.

 

Die Erbhof- oder Halberbhofbauern, Brinksitzer oder Kötter waren zum Teil den Kirchenfürsten oder weltlichen Fürsten eigenbehörig, uns besser bekannt als Leibeigenschaft. Die Familie Kattenbeck war dem Domkapitel/Domkellner eigenbehörig. Der Hof, das Haus und der Grundbesitz gehörte rechtlich dem Grundherren. Der Bauer war nichts anderes als sein Sklave oder Leibeigener. Der Erbe eines Leibeigenen hatte aber das Recht auf dem Anwesen zu verbleiben. Die Söhne und Töchter, die auf einem fremden Hof heiraten wollten, mussten sich freikaufen oder ein Wechselgeld zahlen.

 

Noch stärker aber belastete einen Hof die Gebühr des "Sterbefalls". Beim Tod des Bauern fiel nämlich ein Teil seiner Habe an den Grundherren. Häufig bestand diese Abgabe im "Besthaupt", dem besten Pferd oder der besten Kuh. Beim Tod der Bäuerin ging vielfach die Hälfte des Mobiliars an den Herrn. Später wurde diese Abgabe in Geldzahlungen umgewandelt, deren Höhe mitunter pauschal festgesetzt wurde.

 

Meist erstellte man bei einem Sterbefall eine Inventarliste über den beweglichen Besitz. Viele dieser Listen *) sind erhalten und bieten uns so einen Einblick in die Ausstattung eines alten Anwesens mit Vieh, Ackergeräten und Hausrat. Beeindruckend ist, wie spärlich in jenen Zeiten ein bäuerlicher Haushalt mit Geschirr und Betten versorgt war. Man darf annehmen, dass ein Teil der beweglichen Güter vor der Inventarisierung außer Haus gebracht wurde, damit nicht alles erfasst und mit dem Grundherren geteilt werden musste.

 

Wenn durch Krankheit oder Unfall mehrere Hofinhaber oder Angehörige kurz nacheinander verstarben, konnte das der Ruin eines Hofes sein.

Zu den Dokumente vom

 

7. November 1729

*)Nachstehend eine Bestandsaufnahme des zum Hofe Kattenbeck gehörenden lebenden und toten Inventars von 1729, die verdeutlicht, in welchen ärmlichen Verhältnissen ein Kötter zur damaligen Zeit lebte.

 

 

Reichsthaler

Schilling

Pfennig

2 melche Kühe ad               

10

-

-

1 jährige Stercke ad            

2

14

-

1 Kiste ad                      

3

-

-

1 Klein Kupfer ad           

1

14

-

1 kupfernen Kessel ad           

3

7

-

1 eisernen Pott ad              

1

-

-

1 Dechtroch ad *)1              

1

9

-

1 alte Kiste ad                 

1

-

-

2 Kuben ad *)2                   

-

7

-

1 Eimer ad                      

-

2

4

2 Bette ad                      

5

-

-

2 linnen Bette ad               

2

9

4

2 paar Bettesachen ad      

-

18

8

3 Wannen ad                     

-

21

-

2 Forchen ad                    

-

4

8

2 Schuten ad *)3               

-

7

-

Der Summa ad       

33

2

-

 

 

Dieser abgestorbener Johan Kattenbeck hat nachlaßen 3 Kinder einen junglich, deßen Nahme Johan Berndt, und 2 jungferen deren eins heißt Maria, das andere Anna Gertrud.

Entgegen ex post angegebene, dass die Eltern unterschiedliche Schulden nachgelaßen.

*)1 Teigtrog, *)2 geflochtener Korb für Esswaren, *)3 kleines Boot              

 

 

1784 am 5. Januar

 

Aufstellung nebst Bewertung des zum Hof gehörigen Viehbestandes und der beweglichen Gegenstände, des Landes, der Abgaben und Auflistung der Schulden nebst Gläubiger.

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 Descriptio peculii des Katenbecks Kothen de 1784 im Januar

   Waß sich befunden zu Katenbeck zu Emsdetten

 

Reichsthaler

Schilling 

Deut

1 Kuhe

4

=

=

1 Kalb

2 

= 

 =

ein kupfernen Kessel  

2

=

=

2 Pötte

=

21

=

2 Betten mit zubehörigen Linnen 6 = =
ein Kuben eine Kerne (Butterkerne) = 7 =
1 Emmer 6 Milch becher  =  4  8
1 Kiste  = 14  =
ein brod Schap  1  = =
ein Schaufel paden und greipe = 7 =
ein Spin rocken und haspel  = 9 47
ein Sauertrog  = 14 =

 

Landeryen

ein garten ohngefehr von 2 Scheffel gros  

noch 2 Scheffel Roogen land

                     

 Ausgabe

  Reichsthaler Schilling Deut
in die ordinare Schatzung monatlich = 7 =
an ein hochwürdiges Dom Capittul  = 14 =
an der Kirche zu Emsdetten jährlich = 2 6

                       

Schulden

an Herman Albers zu Emsdetten 50  = =
an Ludgerus Albers 72 = =
an Jürgens in Westum 50 = =

 

(Staatsarchiv Münster)

 Man darf wohl annehmen, daß die hohen Schulden noch Nachwirkungen 

des Unglücksfalles von 1729 sind.

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Hölting oder Holzgericht

 

Vereinzelt kam es aber auch zur Mißachtung von Regeln, so zum Beispiel, wenn jemand unbefugterweise ein Stück Land in der Mark kultivierte und somit einen "Zuschlag" machte. Hierfür  wurde einmal jährlich ein sogenanntes "Hölting" oder Holzgericht abgehalten. Bei diesem Gerichtstag wurden die "Sünder" mit einer Geldstrafe belegt, wobei zuvor das unberechtigterweise in der Mark laufende Vieh eingefangen wurde. Dieses Einfangen bezeichnete man mit dem Ausdruck "schütten". Überliefert ist weiterhin, dass an diesen Tagen von dem eingenommenen Geld Bier gekauft und dieses sogleich seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wurde. Man trank das Bier damals aus sogenannten "Bullenköppen".

 

Ist daraus unser "Schüttenbeer" entstanden? Dieses läßt sich nicht nachvollziehen.

 

Nennungen des Namens "Kattenbeck",

die sich aufgrund der beschriebenen Gründe in alten Schriften finden:

Die alten Heberegister (Steuerlisten) befinden sich im Staatsarchiv in Münster. Die Dokumente über Kattenbecks Kotten wurden von der Familie Overbeck zur Verfügung gestellt.

 

1577

Kattenbecke in Westhenhem gibt ein Huhn.

 

1579 am 15. Juli

Im Protokoll des Holtgerichts zu Emsdetten, das auf dem alten Marktplatz abgehalten wurde, ist über Kattenbeck vermerkt:

"Kattenbecke helt Pferde, ist ein Kötter"

 

1592 am 30. Dezember

wird ein Gert Lattenbecke als Markgenosse genannt; man kann wohl davon ausgehen, dass es sich um einen Schreibfehler handelt und Kattenbecke heißen muss.

 

1636 am 12. Januar

Im Viehschatzregister ist Kattenbeck mit einem Pferd, zwei Kühen und einem Rind aufgeführt. Für diesen Viehbestand zahlt er folgende Abgabe:

    "1 Pferd       5 Schillinge

     2 Kühe        6 Schillinge

     1 Schmalrindt 1 1/2 Schilling".

 

1647

Laut Viehschatzregister hält Kattenbeck zwei Pferde, zwei Milchkühe, ein Rind und ein Kalb.

 

1637 - 1651

Im Hausstätten - Schatzungsregister vom 30. April 1637, 6. Januar 1638, 18. Juli 1639, 15. Mai 1640, 22. August 1641 und 3. März 1651 ist Kattenbeck aufgeführt. 1637 wurden keine Steuern bezahlt, 1638 ein Reichstaler, 1639 ebenfalls, 1640 nur 3 1/2 Schilling. Auch in den Jahren 1641 und 1651 wurden 3 1/2 Schilling gezahlt. In allen Registern ist Kattenbeck als Brinksitzer bezeichnet. Das Holtgericht bezeichnet Kattenbecke im Jahre 1579 aber als Kötter.

 

1652 am 19. November

Dem Schatzungsregister vom 19. November 1652 ist zu entnehmen, dass Kattenbecke und 14 weitere Anwesen als Brinksitzer in der Bauerschaft Westum bezeichnet werden. Diese zahlten 3 Schillinge und 6 Deut. Der Brinksitzer war ein Klein- oder Halbbauer.

 

Dies waren:

     Dalludger (Dalleiger),

     Boemer (heute Wilp),

     Brockherman,

     Schlottman (heute Westers),

     Wechman,

     Schlott Gerd,

     Kerstin Brocker,

     Herman Wechman (Künne-Wegmann),

     Kattenbecke (Heinrich Schwering, gen. Kattenbeck, 

                           Rengers, heute Overbeck)

     Brüggemann (Gehling)

     Veltkamp (Beering)

     Berkenkamp, 

     Teipe,

     Krampe und

     Hage.

 

Es gab 10 Erb- oder Halberbhöfe, diese zahlten 1 Reichsthaler, es waren:

 

  Schulte Bisping

  Varwick (Fark, heute Laumann)

  Teisselmann (Theissing, heute Pohlmann)

  Averbecke (Overbeck, 1888 aufgelöst, heute Beering)

  Bröker (heute Holz und Mucke-Beckwermert)

  Hummert

  Buddenbecke (heute Deitert, Eggers, Theele, Westers und Hubert Kattenbeck)

  Brinckmann (Brinkmann)

  Dallmann (heute Grotthoff-Dahlmann-Stift)

  Boutell (Beutel, heute unter anderen Karl Middelhoff und Albert Middelhoff)

 

Drei Anwesen, Schmalenbrock, Hinderting und Diekhues, werden als Kötter genannt und mussten 7 Schillinge abgeben. Weitere 3 Familien, Johan Hage, Johan Brüggemann und Johan Berkenkamp, die in Backhäusern wohnten, waren von der Steuer befreit.

 

1664 am 20. Februar

Kattenbeck zahlt für sich selbst 21 und für seine Frau 12 Schillinge Steuern. Für die Söhne Berndt (später Johan genannt) 9 Jahre und Diedrich 6 Jahre brauchen keine Steuern entrichtet werden.

Bei den obengenannten Personen handelt es sich um das Ehepaar Johan Kattenbecke geboren um 1623 und Greite Brugman geboren um 1627.

 

1672 am 11. März

Unter der Rubrik "Brinksitzere so keine Pferde haben" ist Kattenbeck mit Ehefrau und Filius Johan aufgeführt. Der Steuerbetrag beläuft sich auf 13 Schilling und 8 Deut.

 

Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen von 1618 - 1648

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges mussten die Grundherren herbe Einbußen hinnehmen. Viele Erbhöfe, Kötter, Brinksitzer und Heuerleute waren nicht in der Lage, Abgaben zu leisten. Viele Höfe lagen ungenutzt, waren verlassen, ja sogar abgebrannt. Einige waren so verarmt oder beraubt, dass sie Haus und Hof verlassen mussten.

Offensichtlich hat die Familie Kattenbeck diesen langen Krieg relativ gut überstanden. Die Familie Kattenbeck war, wie oben ausgeführt, in der Lage, in fast allen Jahren die Abgaben aufzubringen. Dass sie aber trotzdem in bescheidenen, ärmlichen  Verhältnissen lebte, zeigt eine Aufstellung des vorhandenen Hausrates (dazu später mehr). Die Wohnungsnot bzw. der Mangel an Geld, war wohl so groß, dass einige Familien in Schoppen, Schafställen oder Backhäusern lebten.

 

Auf Veranlassung des Landesfürsten Christoph-Bernhard von Galen vom 21. November 1666 wurde ein Verzeichnis der Einwohner von Emsdetten angefertigt.

 

Westum zählte seinerzeit 215 Einwohner und war damit die größte Bauerschaft, vor Hollingen.

Gegenüber 1498, als Westum etwa 90 Bewohner zählte, hat sich die Zahl der Einwohner verdoppelt.

 

1648 Die Kirchenbücher

Etwa ab 1648 kann man die Daten der Familie "Kattenbeck" durch die Kirchenbücher von St. Pankratius Emsdetten und später von St. Johannes Baptist Mesum nachvollziehen.

 

1686

Delineatio pertinentiarum Casettae Kattenbecks in parochia Embsdetten 

Bourscapio westem Anno 1686 Aprilis 7

 

 

1697

Die gemeine Mark zwischen Mesum und Emsdetten

Karte aus dem Jahre 1574

Quelle: STAM Münster

 

 

 

Überall dort, wo sich die Grenzen verschiedener Marken trafen, kam es immer wieder zu Streit zwischen den Parteien, vor allem wegen des unrechtmäßig eingetrieben Viehs. Die Gegenseite reagierte dann oft mit der sogenannten Schüttung, also der Beschlagnahmung des fremden Viehs und verlangte Geld zur Auslösung der Tiere. Schauen wir uns eine Markenstreitigkeit zwischen Emsdettenern und Mesumern etwas näher an.

Einige Emsdettener aus der Bauerschaft Westum beklagten sich im Juli 1697 beim Amtsdrosten Twickel, das einige Mesumer, u.a. Borgert, Wieging und Koester, ihnen ihre Kühe “auß der gemeinen marckt bey deme itßo genandte graven stein abgeschlagen, geschuettet und aufgetrieben” hätten. Twickel möge die Beschlagnahmung bitte beenden und die Mesumer bestrafen. Unterschriften: Herman Brinckman, Johan Welpp, Johan Kattenbeck, Johan Schloetman und Johan Krampe.

Der Droste verlangte, das die Westumer bei der Rentmeisterei in Rheine eine Kaution hinterlegen, anschließend müssten die Mesumer das Vieh herausgeben. Sodann hätte Mesum sich zu erklären, und eventuell zu Recht bestehende Ansprüche könnten durch das Kautionsgeld abgegolten werden.

Die Markenstreitigkeiten mit Mesum finden sich in: Archiv Havixbeck, VI, Nr. 74, unpaginiert

 Quelle: Auszug aus "Emsdetten-Ortsgeschichte von Willi Colmer

 

Zu den Einwohner- und Schatzungslisten